Sauri´s Geschichte
Er kam schon seit ungefähr dreieinhalb Jahren zu uns zum Essen. Meist blieb er ganz in der Nähe unseres Hauses und kam, wann immer wir Essen brachten. Er hatte damals eine kleine Wunde am Fuß. Wir riefen ein paar Mal Ärzte, die ihm die Wunde putzten und verbanden. Wir sprayten die Wunde auch ein. Ein paar Mal war die Wunde fast verheilt, fing aber irgendwie doch immer wieder an zu bluten.
Nach ein paar Monaten war Sauri eines Tages auf einmal verschwunden. Ungefähr fast zwei Jahre später traf Vrajasevika Sauri auf der Straße wieder. Sie rief ihn bei seinem Namen und er blieb sofort stehen und ließ sich streicheln. Sie rief gleich einen Bekannten an, der schnell Futter brachte. Sie bemerkten, dass er nun eine riesige Narbe an der Brust hatte, mit einigen eingeschlagenen Rippen und dass sein damals nur leicht kaputter Fuß sich nun so entzündete, dass der ganze Huf praktisch nur noch ein Eiterklumpen war. Sie wollten ihn deshalb eigentlich nach Hause nehmen, damit er behandelt werden könnte. Als die Kuh-Ambulanz mit Arzt und Helfern da war, die Männer auf ihn zukamen und diese ihn festbinden und mitnehmen wollten, bekam er es mit der Angst zutun.
Trotz der großen Wunde am Fuß rannte er wie der Blitz in den Wald.
Dort suchte Vrajasevika mit einer Freundin ihn stundenlang ohne Erfolg. Sie gaben dann einigen Leuten, die in der Nähe des Waldes leben, ihre Rufnummer und baten um Bescheid, wenn Sauri gesehen würde. Auf diese Weise wurde Sauri gefunden. Vrajasevika ging ihn dann für drei Wochen täglich morgens und abends am Waldrand füttern, bis er ihr so sehr vertraute und keine Angst mehr vor ihr hatte und sich sehr wohl mit ihr fühlte. Sie schafften es dann, ihn mit nach Hause zu bringen, wo er eine eigene, kleine Hütte für sich bekam, mit kleinem Garten dazu. Er wohnte dort mit Ramu, der noch etwas schwächelte, und mit Vrajasevika, die praktisch dort einzog, sodass er keine Angst haben musste vor den anderen Bullen, die sich in seiner Nähe aufhielten.
Der Tierarzt amputierte seinen halben Huf, aber er sagte auch, dass es sein kann, dass Sauri es nicht schaffen könnte, geheilt zu werden, da sich die Infektion schon im ganzen Körper verbreitete. Es könnte auch gut sein, dass Krebs die Ursache sei. Er hatte auch lauter kleine Knoten am Hals. Sein Kuhdung roch seltsam, sein ganzer Körper roch etwas verrottet.
Ein Freund brachte eine Medizin, die sowohl bei Krebs als auch Infektionen helfen würde, die gaben wir ihm 5 bis 6 mal täglich. Nach ungefähr drei Monaten war er gesund und konnte wieder auf allen Vieren laufen. Die Knoten am Hals waren weg, er roch wieder normal. Er hatte auch zugenommen. Eines Tages aber wurde Vrajasevika über das Wochenende nach Jaipur zu einem Seminar eingeladen. Ein Bekannter versprach so lange bei Sauri zu bleiben, aber Sauri zerbrach den Zaun und rannte weg.
Vrajasevika verließ ihr Seminar in Jaipur und wir suchten ihn sofort. Sauri war wieder am Rand des Waldes. Er versuchte, ein paar Mal, wieder zurück zu kommen, aber leider drohten die anderen Bullen ihm jedes Mal und griffen ihn auch an, weil er nun ein großer, gesunder Bulle war und sie dachten, sie müssten gegen ihn ihr Revier verteidigen. Er zog es deshalb vor, außerhalb zu leben.
Seit dem begannen wir, ihm täglich zwei Mal Futter zu bringen, und inzwischen auch anderen Bullen, die in seiner Nähe wohnen.